Summerjam 2018 0 265

Am Wochenende fand die 33. Ausgabe des Summerjam Festivals am Frühlinger See in Köln statt. War das "Summerjam" in den Anfängen noch ein reines Reggae-Festival mit Künstlern aus der Karibik und Afrika, kamen über die Jahre ständig neue Einflüsse aus den unterschiedlichsten musikalischen Genres hinzu.

Willkommen beim 33. Summerjam, wo eine Popband aus Liverpool nur Randnotiz und Bob Marley der einzig wahre Weltstar ist. „Everlasting Festival“ verkünden stolz große Banner neben den beiden Bühnen. Es gibt auch keinen Grund, warum das Reggaefestival jemals aufhören sollte. Es pflanzt sich einfach von Generation zu Generation fort.

Vielleicht sollte man das nächste Familientreffen ja auch im Freien unter brennender Sonne abhalten und an die Verwandtschaft erstmal ganz besondere Zigaretten verteilen. Vielleicht wird es dann auch so nett und/aber familiär wie hier am Fühlinger See. Und so erinnert sich Afrob, Urgestein der deutschen Rap-Szene, selig, wie er als junger Hund am Barbarossaplatz Hasch gekauft hat.
Und Dendemann, der als mit Reibeisenstimme rappender Teil des Duos Eins, Zwo vor 20 Jahren das einheimische Reimniveau anhob, heißt sich selbst in der bürgerlichen Mitte willkommen. Sein samstägliches Set auf der kleinen Bühne zeigte den mittlerweile 44-Jährigen allerdings in hart rockender Bestform.
Am Tag zuvor hatte hier Seeed-Sänger Frank Dellé über den plötzlichen Tod seines Kollegen Demba Nabé vor einigen Wochen, gesprochen und ihm eine gefühlige Version von Bob Marleys „Redemption Song“ gewidmet. Auch Naâman, Roots-Reggae-Sänger aus dem französischen Dieppe, pflegt familiäre Verbindungen zum Summerjam: Schon als kleiner Junge, erzählt der nette Surfer-Typ, sei er staunend über das Festivalgelände gelaufen und habe sich vorgenommen, hier irgendwann auf der großen Bühne zu stehen. Voilà. Auf der folgt ihm ein weiterer Star aus Frankreich: Mohamed Sylla ist als Kind guineischer und senegalesischer Eltern im 19. Arrondissement von Paris aufgewachsen und tritt unter dem Kürzel MHD auf.
Gerade mal 23 Jahre alt, kann er sich schon der Erfindung eines Genres rühmen, des Afro-Trap, einer Verbindung aus westafrikanischer Highlife-Musik und amerikanischen Trap, der gerade vorherrschenden HipHop-Ausformung. Dessen drogenschwangere Dämmersounds infiziert MHD mit fröhlicher Lässigkeit.
Schließlich noch der Headliner, Marteria. Es ist endlich dunkel geworden und das weiß Marten Laciny mit aufwendiger Licht- und Videoshow zu nutzen. Der Mann, der schon im U-17-Kader der deutschen Nationalmannschaft spielte, als Modell in New York arbeitete, in Berlin die Schauspielschule besuchte, und Hits für die Toten Hosen komponiert, weiß wie man auf dem Spielfeld die Übersicht behält und dabei noch gut aussieht. Ob Marteria über sich selbst, linken Widerstand, oder seine politisch unkorrekte Liebe zu Nike-Schuhen rappt, stets erzeugen er und seine Band monumentalen Druck, ohne jemals im dumpfen Ernst deutschen Gangsta-Raps zu versinken. Und wenn er zehntausend hüpfende Fans dazu auffordert, ihre Pfandbecher auf die Bühne zu werfen, um sie der Hilfsorganisation Viva con Agua zu spenden, die sich für den weltweiten Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt, dann zeigt er, wie man Krawall, Engagement und Unerschrockenheit verbinden kann.

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Summerjam 2018 Freitag
Summerjam 2018 Samstag