20. Todestag von Falco 0 107

Der exzentrische Österreicher Falco begeisterte und polarisierte wie kaum ein anderer. Weltweit stürmte er die Charts als leicht schmieriger Kommissar, als irrer Mozart, gar als liebeskranker Mörder, allein in Deutschland hatte der Sänger vier Nummer-eins-Hits. Vor 20 Jahren, am 6. Februar 1998, kam Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik ums Leben.

Am 1. Januar 1977 hatte der junge Musiker auf einem Hotelfernseher das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee verfolgt, dabei imponierte ihm besonders der DDR-Skispringer Falko Weißpflog. „Er war mutig und hatte so ʼeinen rasanten Haarschnitt“, erinnerte er sich später und tauschte nur das „k“ zugunsten eines „c’“.

Zurück in Wien spielte Falco nun avantgardistisches Rocktheater, daneben widmete er sich verschiedenen Bandprojekten wie etwa der Kunst-Punk-Combo Drahdiwaberl, bevor er schließlich mit der Solo-Nummer „Ganz Wien“ größere Aufmerksamkeit erregte. 1982 lief der Song „Der Kommissar“ zunächst in Clubs, bis der ihm mit sieben Millionen verkauften Singles seinen ersten richtig großen Hit bescherte – die „Neue Deutsche Welle“, die beispielsweise ein Mädchen aus der deutschen Provinz namens Nena zum Weltstar machte, ist auch zu einem guten Teil dem Österreicher Falco zu verdanken, der mit Rap-Elementen die deutsche Sprache im Pop salonfähig machte.

Das dazugehörige Album „Einzelhaft“ ging 750.000 Mal über die Ladentheken. Mit seinem zweiten Album „Junge Römer“ konnte Falco jedoch nicht an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen. Schon damals plagten ihn Versagensängste, diese Furcht versuchte der Sänger zu betäuben. „Ich habe ohne Ende Drogen eingeworfen, bin zum Alkoholiker geworden und war phasenweise psychisch völlig von der Rolle“, sagte er rückblickend.

Als Johann Hölzel hatte Falco am 19. Februar 1957 in Wien das Licht der Welt erblickt, er war der einzig Überlebende von Drillingen. Sein musikalisches Talent zeigte sich schon in jungen Jahren, mit fünf wurde ihm ein absolutes Gehör bescheinigt. Unstet schien er schon früh zu sein, 1973 verließ „Hansi“ die Schule, eine Lehre zum Bürokaufmann brach er ebenso schnell ab wie sein Jazz-Bass-Studium am Wiener Musikkonservatorium. Davor hatte er acht Monate freiwillig beim österreichischen Bundesheer gedient. In West-Berlin tingelte er 1976 als Jazz-Bassist durch die Kneipen der Mauerstadt.

Beeinflusst von Milos Formans Kinofilm „Amadeus“ und zahlreichen Mozart-Biografien gelang Falco 1986 dann der internationale Durchbruch. „Rock Me Amadeus“ hielt sich ab 20. März drei Wochen an der Spitze der US-Charts, was zuvor noch keinem deutschsprachigen Titel gelungen war. In dem dazugehörigen Musikvideo trat Falco als überdrehter Mozart mit Punk-Perücke auf. Aus dem Wiener Wunder war ein Weltstar geworden, ein charismatischer Entertainer, zugleich ein zutiefst zerrissener Charakter, bei dem plötzlich Erfolg nicht nur Freude auslöste. Am Ausbau einer internationalen Karriere hinderte ihn zudem starkes Heimweh. In einem Interview stellte er fest: „Ich hätte oftmals Gelegenheit gehabt, nach Amerika zu gehen. Ich habe es nicht getan, weil das Schönste an der amerikanischen Fahne die rotweißroten Streifen sind.“

Musikalisch dem New Wave und der Neuen Deutschen Welle verwandt, wird Falco oftmals als „der erste weiße Rapper“ bezeichnet. Bands wie Fettes Brot oder Die Fantastischen Vier nennen ihn einen Pionier des deutschsprachigen Rap und Hip-Hop.

Seine Skandalballade „Jeanny“, in der die Vergewaltigung eines Mädchens angedeutet wird, löste 1986 in Deutschland hitzige Diskussionen aus. TV- und Radiostationen weigerten sich, das Lied oder das Video zu senden, weil sie ihrer Meinung nach nicht nur die Gewalttat beschrieben, sondern sogar verherrlichten. Trotzdem führte der Song acht Wochen die deutsche Hitparade an und wurde mit 2,5 Millionen Exemplaren zur meistverkauften Single des Jahres. Der letzte große Erfolg: Bis 1992 brachte der Wiener noch drei weitere Alben auf den Markt, die bei Kritik und Publikum aber kaum Anklang fanden. 1996 folgte ein Comeback unter dem Pseudonym T>MA mit dem Hit „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“.

Silvester 1997 hatte Falco seinen letzten offiziellen Liveauftritt in Excalibur City, einer Einkaufsstadt an der tschechisch-österreichischen Grenze. Danach flog er in seine karibische Wahlheimat, in den „Hacienda Ressorts“ hatte er eine Villa gemietet.

Am 6. Februar 1998 gegen 16.40 Uhr fuhr Falco mit seinem schwarzen Mitsubishi Pajero vom Parkplatz der „Turist Disco“ zwischen den Städten Villa Montellano und Puerto Plata auf die Straße. Dabei übersah er einen mit Tempo 100 heranrasenden Bus, der seinen Geländewagen rammte – Falco war sofort tot. Bei der anschließenden Obduktion stellten die Pathologen einen Alkoholpegel von 1,5 Promille fest, außerdem wurden größere Mengen von Kokain und dem Cannabiswirkstoff THC im Blut des Popstars nachgewiesen.

Falcos Leichnam wurde nach Österreich überführt und unter Anteilnahme von mehreren tausend Menschen auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet. Sein Sarg geleiteten Mitglieder der Wiener Motorradrocker „Outsider Austria“ zur letzten Ruhe. Die Biker hatten schon im Video von Falcos „Rock Me Amadeus“ mitgespielt. Bis heute ist das Grab Falcos eine Pilgerstätte seiner Fans, die Blumen hinterlegen und Kerzen anzünden.

Und noch immer zieht der Name Falco: Im Jahr 2000 wurde in Wien die Multimediashow „F@alco“ uraufgeführt, im gleichen Jahr feierte das Musical „Falco meets Amadeus“ im Berliner Theater des Westens Premiere. 2017 debütierte „Falco – das Musical“ dort im Admiralspalast. Bereits 2008 war das biografische Filmdrama „Falco – Verdammt, wir leben noch!“ in die Kinos gekommen. Die Strahlkraft des Wieners schient posthum fast noch größer als zu Lebzeiten.

Schon vor der Ausstrahlung einer Falco-Dokumentation zu seinem 60. Geburtstag im vergangenen Jahr kursierten Gerüchte über Falcos massiven Drogenkonsum und einen vermeintlichen Selbstmord aus Liebeskummer. Hans Reinisch, einer von Falcos besten Freunden, wies diese Spekulationen vehement zurück: „Alles ist frei erfunden.“

Falco habe nicht aus Liebeskummer wieder mit den Drogen angefangen, er habe niemals damit aufgehört.